Ein einzigartiges Naturerlebnis

Trekking-Abenteuer im Sauerland. Warum man für Wildnis-Wanderungen nicht nach Skandinavien muss

Trekking ist in vielen Teilen der Welt, zum Beispiel in Skandinavien, weit verbreitet. Der Reiz daran ist, durch die Wildnis zu wandern – und dort an bestimmten Plätzen inmitten der Natur ganz legal sein Zelt aufzuschlagen. Das ist Abenteuer und Outdoorspaß pur, denn so nah ist man der Natur wirklich selten. In Deutschland findet man diese Möglichkeit – Wandern in Kombination mit Naturzelten – noch kaum, in Hessen bisher gar nicht, obwohl es dafür seit Jahren eine große Zielgruppe gibt. Da dachten wir:  Unser wunderbares Wandergebiet rund um Willingen und Diemelsee eignet sich perfekt für Trekking. Und so entstand Hessens erster Trekkingpark, der Trekkingpark Sauerland Home – Trekkingpark-Sauerland. Er bietet entlang des 63 Kilometer langen Diemelsteigs und des 66 Kilometer langen Willinger Uplandsteigs neun Naturlagerplätze mit einer hölzernen Plattform für je zwei Zwei-Personen-Zelte oder ein Vier-Personen-Zelt. Dazu gibt es eine Bio-Komposttoilette, die auch von Wanderern und Radlern genutzt werden kann, die keinen Platz gebucht haben.

Es ist sensationell, wie gut der Trekkingpark bereits in seiner ersten Saison angenommen wird. Wir haben nach einigen Verzögerungen durch die Corona-Pandemie erst zum 1. Juni eröffnet – und waren während der Sommermonate prompt bei einer Auslastung von rund 80 Prozent. Selbst im Oktober sind die Naturlagerplätze noch zu 70 Prozent gebucht. Damit hätten wir selbst nie gerechnet, wir dachten, wenn wir so bei 50 Prozent landen, ist das für das erste Jahr schon gut. Mitte November gehen wir dann in den Winterschlaf und eröffnen im nächsten Jahr zum April.  Unsere Gäste erreichen wir vor allem über Online-Aktivitäten und Werbung. Zum einen über die Online-Plattform www.trekkingpark.de, auf der es ein eigenes Online-Buchungssystem gibt.

Andrew Kesper und Klaus Hamel (v.l) arbeiten in den Tourist-Informationen der Gemeinden Willingen und Diemelsee und haben den Trekkingpark Sauerland mit neun Naturlagerplätzen ins Leben gerufen.

Zum anderen auch über unsere Social-Media-Kanäle, beispielsweise bei Instagram. Dort findet auch viel Interaktion statt. Die Gäste öffnen morgens ihr Zelt und fotografieren den Sonnenuntergang, den sie dann wiederum in sozialen Netzwerken posten. Es ist sicherlich auch unserer digitalen Stärke zu verdanken, dass wir innerhalb so kurzer Zeit so bekannt wurden. Das Projekt schlug aber auch deshalb so ein, da es keinen ähnlichen Trekkingpark in Deutschland in dieser Größenordnung mit dieser Infrastruktur gibt. Unsere Gäste kommen aus ganz Deutschland, aus Österreich, der Schweiz, aber auch aus Holland und Belgien. Es ist ein bisschen so, als hätte die Outdoor-Szene nur auf uns gewartet. Auch Familien nutzen unser Angebot sehr gerne, sogar Firmen haben bereits gebucht. Dass wir in so einer breiten Zielgruppe erfolgreich sein würden, hat uns dann doch ein bisschen überrascht. Denn so bringen wir natürlich viel Wirtschaftskraft in unsere Sauerland-Gemeinden. Die Trekkinggäste besuchen unsere Gaststätten, kaufen in unserem Einzelhandel ein. Der Trekkingpark Sauerland belebt also unsere komplette ländliche Region – vom Gasthaus bis zum Lebensmittelladen.

Unser Konzept haben wir so eng in Abstimmung mit den örtlichen Behörden erstellt, dass wir im Endeffekt auch kaum Hürden hatten. Uns war von vornerein klar, dass wir die Naturlagerplätze nicht ins Naturschutzgebiet bauen, sondern nur an Waldränder und auf offene Wiesen. Die Naturschutzbehörden unseres Landkreises Waldeck-Frankenberg waren von Beginn an mit an Bord und haben uns bei allem unterstützt, auch bei der Auswahl der Plätze. Ich würde allen Pionierinnen und Pionieren, die ähnliches geplant haben, auf jeden Fall raten, sich eng mit den örtlichen Behörden abzustimmen, denn das vereinfacht vieles. Auch die Waldbesitzer und Förster sollten unbedingt vorab einbezogen werden.

Unser Projekt wurde durch die Leader-Förderung des Landes Hessen und Fördermittel des Landkreises unterstützt, sodass unsere Gemeinden von den rund 70.000 Euro Gesamtkosten lediglich 21.000 Euro selbst schultern mussten. Von der Förderung haben wir allerdings erst spät erfahren und so mussten wir den Förderantrag innerhalb von sechs Tagen einreichen. Doch es ging glatt, selbst die Behörden haben noch nie so ein schnelles Förderverfahren erlebt. Daher würde ich auch jeder Pionierin und jedem Pionier raten: Informiert euch über Fördermittel und nutzt sie!

Unser Konzept des Trekkingparks ist für alle Gegenden, die landschaftlich etwas zu bieten haben, kopierbar. Wir wissen, dass auch in anderen ländlichen Regionen bereits etwas im Bereich Wildniswandern in der Mache ist. Keine Sorge, wir tüfteln bereits an neuen Ideen, um einzigartig zu bleiben. Man muss immer am Zahn der Zeit bleiben.

 
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