Digital durch die Weinberge | Hessen-Pionier Kai Climenti

Steckbrief

  • „Dass wir mit „Walk like a local“ so erfolgreich sind, liegt nicht nur an unserer medialen Präsenz im Fernsehen, Radio oder in Printpublikationen, sondern auch an unseren Social-Media-Aktivitäten.“
  • Unternehmen: Weintour „Walk like a local“
  • Ort: Rüdesheim am Rhein



Das Pionierprodukt entdecken

Mit dem Smartphone durch den Weinberg. Kai Climenti bringt Gäste bei seinen digitalen Weintouren mit Locals zusammen

Keine Events, keine Weinwanderungen, kein Umsatz: Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 ausbrach und Deutschland in den Lockdown ging, bin ich gerade zum ersten Mal Vater geworden. Mein Business – Weinführungen und Events rund um Rüdesheim – lag brach und damit waren für mich und meine sechs Mitarbeiter auch Existenzängste verbunden. Und während ich Podcast hörend durch die Weinberge joggte, kam mir dann die Idee, Weinwanderungen per Audio-Format auf den Markt zu bringen. Das würde sogar während einer Pandemie funktionieren, da die Gäste auf eigene Faust zu zweit losziehen könnten. So ist das Konzept von „Walk like a Local“ entstanden.

„Walk like a local“-Gründer Kai Climenti bringt Gäste und Locals, beispielsweise Winzer, bei seinen digitalen Weintouren zusammen.

Die Gäste können sich jederzeit völlig ungebunden auf den Weg zur digitalen Weinwanderung machen

Zunächst dachte ich daran, eine App zu entwickeln. Doch so eine Entwicklung kostet um die 70.000 Euro – und die hatte ich nicht. Schließlich fand ich eine Agentur in Wiesbaden, mit der ich das Konzept zu einem Produkt weiterentwickelt habe. Herausgekommen ist also eine Kühltasche, befüllt mit vier exklusiven 0,25 Liter-Flaschen Rheingauer Spitzenwein, Gläsern, und 17 Karten, mit denen die Gäste das Know-how für die Weinwanderung vermittelt bekommen. Jede Karte wurde einzeln illustriert und ist auf der Rückseite mit einem QR-Code versehen, der per Smartphone gescannt werden kann. Die Codes führen zu zehn Videos und sieben Audiodateien, die jeweils an der passenden Station geschaut und gehört werden können. Da stehen die Gäste dann zum Beispiel an einem Weinstock und hören zwei bis fünf Minuten lang eine Audiodatei, in der Winzerin Theresa Breuer vom gleichnamigen Weingut über Pflanzenschutz und die Arbeiten am Weinstock berichtet.

Neben Winzern lernen unsere Kunden auch Wanderführer, Gästebegleiter und sogar eine Nonne virtuell kennen – also alles Locals, Einheimische, die für ihre Region und den Wein brennen. Zwischendurch gibt es dann immer wieder ein Schlückchen Spitzenwein. So haben unsere Kunden die Möglichkeit, dann den Wein zu probieren, der hier gewachsen ist und erfahren nebenbei viel über den Anbau, die Sorten und die Region. Dieser Blick hinter die Kulissen ist in dieser Art auf jeden Fall einmalig. Aktuell bieten wir zwei verschiedene Wanderrouten an, die Raufgänger Tour ist 7,5 Kilometer, die Rebenschweber Route 8,5 Kilometer lang und beinhaltet sogar eine Seilbahnfahrt. Die Taschen sind für zwei bis sechs Personen ausgestattet und können entweder abgeholt oder zugeschickt werden – so wie es der Gast möchte. Die Touren sind zeitlich völlig unabhängig – und können dann gemacht werden, wann der Kunde Lust dazu hat. Das ist ein Riesenvorteil, denn dieses Konzept steht damit für Regionalität, Digitalisierung und Freiheit – alles Dinge, die gerade jetzt während der Pandemie sehr wichtig sind.

Unser Erfolgsrezept: Ein professioneller Auftritt in den sozialen Medien und regionale Kooperationen

Obwohl das Konzept sehr digital ist, haben wir nicht nur junge, technikaffine Gäste. Denn es gibt ja auch eine richtige Wanderkarte, die Weine und die Seilbahnfahrt. Unsere Zielgruppe ist zwischen 25 und 65 Jahre alt. Viele bekommen die Tour auch geschenkt, beispielsweise zum 50. oder 60. Geburtstag und ziehen dann als Gruppe los. Gerade erst hatten wir unseren Besucherrekord, da waren an einem sonnigen Samstag 100 Gäste unterwegs. Das macht uns sehr glücklich und stolz, denn unser Angebot kam bereits im ersten Jahr sehr gut an. Das war unternehmerisch wichtig für uns, denn wir hatten Rieseninvestitionen in diesen Krisenzeiten.

Dass wir mit „Walk like a local“ so erfolgreich sind, liegt nicht nur an unserer medialen Präsenz im Fernsehen, Radio oder in Printpublikationen, sondern auch an unseren Social-Media-Aktivitäten. Wir produzieren viel Content für soziale Medien, wie beispielsweise unseren Instagram-Kanal. Allein dieses Jahr hatten wir bereits zehn Drehtage für Promo-Videos, Fotostrecken, Reels. Für unseren professionellen Online-Auftritt investieren wir viel Geld und Zeit und bleiben so auch im Gespräch. Ein weiterer wesentlicher weiterer Faktor für unseren Erfolg sind außerdem unsere regionalen Kooperationen. Da wir bereits vorher in der Weinszene unterwegs waren, Weinwanderungen und Events organisiert haben, konnten wir auf ein breites Netzwerk zurückgreifen. Auch bei den Winzern herrschte große Offenheit für lokale Kooperationen, weil wir seit Jahren zusammenarbeiten und uns schätzen und vertrauen. Die Weingüter haben den Wein extra für uns in kleinere, handliche Flaschen abgefüllt, obwohl das sehr aufwändig ist. Das hätten sie vielleicht nicht für jeden getan. Jetzt im Nachhinein sind alle froh, an Bord zu sein.

Gemeinsam die Region zu stützen und zu stärken kommt allen zugute

Wir unterstützen uns also alle gegenseitig, beispielsweise auch, in dem wir virtuell und im echten Leben aufeinander verweisen und uns gegenseitig bewerben – und uns nicht als Konkurrenz sehen, obwohl wir teilweise ähnliche Geschäftsbereiche haben. Wir empfehlen auch gerne Hotels und Restaurants vor Ort, obwohl wir auch nur unsere eigenen Ferienwohnungen bewerben könnten. Doch es ist wichtig, lokale Partner zu haben – und gemeinsam die Region zu unterstützen und zu stärken. Wenn es ein Gast richtig schön bei uns hat, bleibt er drei bis vier Nächte und kommt dann wieder – und bringt dann vielleicht weitere Gäste mit. Das stärkt eine Destination nachhaltig und kommt allen zugute. Dabei muss der Fokus auf Qualität liegen. Daher empfehle ich auch allen Pionierinnen und Pionieren: Bildet ein gutes Netzwerk, sucht euch Kooperationspartner – und gönnt den anderen ihren Erfolg. Etwas gemeinschaftlich auf die Beine zu stellen ist deutlich mehr wert als Alleingänge zu machen.

Tipps des Hessen-Pioniers Kai Climenti:

  • Bildet ein gutes Netzwerk und sucht euch Kooperationspartner.
  • Gönnt auch anderen den Erfolg, denn etwas gemeinschaftlich auf die Beine zu stellen ist deutlich mehr wert als Alleingänge zu machen.
 
Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner